Kimya und Cambox: Die erfolgreiche Zusammenarbeit von zwei „French Tech“-Unternehmen

Als Jean-Marc Piednoir im Jahr 2011 eine Action-Kamera-Halterung für Helme entwickelt, begibt er sich sofort auf die Suche nach einem geeigneten Formenhersteller, um seine Kunststoffteile fertigen zu lassen. Aber angesichts der ihm angekündigten hohen Kosten und der langen Lieferzeiten, legt er sein Projekt auf Eis. Zufällig wird er in einer Radiosendung auf die additive Fertigung aufmerksam und entscheidet sich daraufhin, diese Lösung genauer zu untersuchen. Er sendet die 3D-Zeichnung eines ersten Teils ein und erhält es nicht nur in Rekordzeit zurück, sondern auch zu einem günstigen Preis. Hurra! Das Abenteuer kann beginnen…

Additive Fertigung: ein Innovationsbooster

Zu Beginn bezieht der Erfinder 3D Teile, die anhand von Sinterpulver gefertigt werden. Als die Bestellmengen immer größer werden und sich die Oberflächenfehler sowie Farbfehler häufen, entschließt er sich, seine eigenen 3D-Drucker anzuschaffen. Mittlerweile befindet sich in seinem Unternehmen in Haute-Goulaine, in der Nähe von Nantes, eine Flotte mit 30 Druckern.

Eine zu 100 % französische Partnerschaft

Während der Gesundheitskrise stellen die Mitarbeiter von Kimya ihre Ressourcen zur Verfügung, um für Pflegepersonal und Unternehmen Schutzvisiere zu drucken. Zur gleichen Zeit entdeckt Jean-Marc Piednoir, dass Kimya nur 15 Kilometer von Cambox entfernt, 3D Filamente entwickelt und herstellt. Da Cambox sowohl auf „Made in France“ als auch auf kurze Kreisläufe großen Wert legt, startet das Unternehmen eine Machbarkeitsstudie, um zu untersuchen, ob die Verwendung dieser neuen 3D Materialien für seine Teile in Frage kommt. Die ersten Cambox, die anhand von den Kimya ABS-S Filamenten gefertigt werden, sind seit September 2020 auf dem Markt erhältlich.

cambox pilote

Qualität, Zuverlässigkeit und Kostenersparnis

“Der 3D Druck hat den Vorteil, dass „on demand“, d.h. auf Anfrage gefertigt werden kann. Außerdem verfügt er über ein konstantes Innovationspotenzial. Entsprechend den Erfahrungsberichten der Kunden bzw. unterschiedlichen Montagebedingungen, muss das Produktdesign sehr schnell anpassbar sein”, so Jean-Marc Piednoir, Geschäftsführer von Cambox.

Für die Herstellung einer Cambox wird ein 3D Material benötigt, das für eine genauso hochwertige Oberflächenbeschaffenheit sorgt wie ein Thermoplast mit mattschwarzer Oberfläche. Das Material muss außerdem gegen die von der Kamera erzeugten Wärme beständig sein. Die Materialwahl fiel daher auf Kimya ABS-S, ein Standard-ABS, das eine >strong>bessere Temperaturbeständigkeit besitzt (ca. 90°) als PLA und das sich durch eine gepflegte Oberflächenbeschaffenheit auszeichnet. Kimya vereint drei Leistungsvorteile, die Cambox bei der Materialauswahl überzeugt haben.

“Mit den 2,2 kg Spulen (gegenüber den zuvor verwendeten 750 g Spulen eines anderen Lieferanten) konnten unsere Wartungsarbeiten auf ein Drittel reduziert und erhebliche Einsparungen bei der Arbeitszeit erzielt werden. Außerdem entstehen bei dieser Spulengröße dreimal weniger Abfälle, ganz zu schweigen von den Einsparungen, die wir aufgrund der geografischen Nähe zu Kimya bei den Transportkosten machen konnten”, erklärt Jean-Marc Piednoir, Geschäftsführer von Cambox.


Cambox: eine französische „Sucess Story“

Jean-Marc Piednoir ist Amateurreiter und wollte seinem Umfeld das sportliche Niveau des Reitsports veranschaulichen. Deshalb nimmt er eines Tages eine auf seinem Helm fixierte Action-Kamera zum Reiten mit. Er ist jedoch von der Ergonomie, dem Gewicht sowie der möglichen Verletzungsgefahr im Falle eines Sturzes enttäuscht. Auf der Grundlage seiner eigenen Benutzererfahrung entwirft er also sein eigenes Kamerakonzept. Von oben hat sie die Form eines Bumerangs. Sie wird unter dem Visier oder an der Innenseite des Helms mit einem Klettband befestigt. Beim internationalen Springreitturnier von La Baule 2013 präsentiert er sein Konzept erstmals der Öffentlichkeit. Luca Moneta, ein renommierter italienischer Springreiter erklärt sich einverstanden, die Kamera zu testen. Überraschung: Er landet auf dem 5. Platz des Turniers und die von ihm mit der Cambox gefilmten Bilder werden auf Equidia TV übertragen! Kurz nach diesem Erfolg wird das Produkt offiziell auf den Markt gebracht. Der Fernsehsender Equidia TV, die Serie „The Big Bet“ (auf demselben Sender mit Tony Parker) oder auch BBC Frankreich (in Top Gear France) sind von dieser neuen, innovativen Action-Kamera begeistert. Der Porsche Carrera Cup Frankreich und Redbull USA statten sich ebenfalls mit Kameras von Cambox aus, um exklusive Bilder aufzunehmen. 2019 erzielt das Unternehmen zum ersten Mal einen Umsatz von 1 Millionen Euro, mit 3.000 verkauften Cambox Kameras, davon 30 % in den USA. Aber das Unternehmen steckt noch in seinen Kinderschuhen, für 2022 ist deshalb eine Fundraising-Aktion geplant…